Vorlesen, Zuhören, Genießen

Es zeigt sich in jeder Vorlesestunde oder zu Hause auf dem weichen Sofa: Die meisten Kinder schätzen es, wenn sie in Geschichten eintauchen können und dabei "nur" zuzuhören brauchen. Wenn die Lektüre attraktiv ist, lassen sie sich vortragen vom Text, folgen ihm und sind dabei. Vorlesesituationen sind Augenblicke zum Genießen; sie sind verwöhnend vor allem dann, wenn der Text interessiert. Jedoch gerade hier, beim scheinbar einfachen Mithören, lernen die Kinder sehr viel:

- Sie legen nach und nach einen Fundus von Erzählstoffen an, von Figuren und fiktionalen Begebenheiten. Damit erhalten sie wichtigen Nährstoff für ihre eigenen Imaginationen. Sie lernen, was man sich ausdenken, was man erzählen kann.

- Sie erhalten sprachliche Vorlagen für das Erzählen. Sie lernen Möglichkeiten und Muster kennen, die sie beim eigenen Sprechen und Schreiben wieder verwerten können. Sie werden sie direkt übernehmen und zunehmend auch abändern. Sie lernen, wie man etwas Ausgedachtes, Gelesenes oder Erlebtes erzählen kann.

- Sie konzentrieren sich auf die gehörten Wörter und Sätze, buchstäblich auf den Wortlaut also, und bekommen dabei mit, wie jemand anderer einen Text vorträgt. Sie lernen, wie man Texte für andere und vor anderen präsentieren kann.

(Vgl. Bertschi-Kaufmann, Andrea: Das Lesen anregen, fördern, begleiten. Kallmeyer 2006, S. 28f.)

In den Kakaopausen, aber auch eingebettet in den Unterricht wird den Kindern daher bis zur vierten Klasse regelmäßig vorgelesen. Mit zunehmender Leseleistung übernehmen aber auch die Kinder den Part des Vorlesenden und üben sich im Lesevortrag.